Ein elitäres Hobby: Amateurfilmer während des Nationalsozialismus

Heutzutage kann jeder einen Film drehen: am einfachsten mit dem Handy oder mit der Digitalkamera. Vor und während des Zweiten Weltkriegs, der Zeit, der sich die Dokumentationsreihe „Alltag unterm Hakenkreuz“ widmet, war das ganz anders. Fotografieren war schon ein teures Hobby, bewegte Bilder aufzunehmen noch viel kostspieliger. Nur wenige Menschen konnten sich das leisten. Bilder von Amateuren aus dieser Zeit sind daher etwas Besonderes, weil sie relativ rar sind. Mitte der 1930er Jahre gab es im Deutschen Reich Schätzungen zu Folge 16.000 Amateurfilmer. Sie drehten im sogenannten Schmalfilmformat. Doch nicht nur ihre Seltenheit macht Amateuraufnahmen dieser Zeit so interessant, sondern auch ihr Blickwinkel. Anders als die Wochenschauen und vom NS-Regime in Auftrag gegebene Filme sind sie keine Propaganda.

In den unzensierten Bildern von Hobbykameraleuten zeigt sich das Innenleben des totalitären Staates: die ganz persönliche Perspektive auf historische Vorgänge und Personen. Dadurch erlauben sie einen unverstellten, realistischeren Blick auf das Leben im Nationalsozialismus. Den typischen Hobbyfilmer der NS-Zeit gibt es nicht. Die Männer und Frauen hinter der Kamera waren ganz unterschiedliche Menschen. In der Dokumentationsreihe „Alltag unterm Hakenkreuz“ ist zu sehen, was Soldaten an der Front für immer festhalten wollten. Aber auch ein pensionierter Forstdirektor im österreichischen Klagenfurt stand hinter der Schmalfilmkamera, mehrere Hitlerjungen und die langjährige Geliebte Adolf Hitlers, Eva Braun.

Hobbyfilmer unterm Hakenkreuz

Der NS-Staat, der die lückenlose Organisation und Kontrolle aller Bevölkerungsgruppen anstrebte, musste zwangsläufig auch den Versuch unternehmen, die Filmamateure zusammenzufassen und ihr kreatives Potential für die eigenen Zwecke abzuschöpfen. 1933 wurden die seit den späten zwanziger Jahren gebildeten lokalen Vereinigungen der Amateurfilmer im ganzen Land in den Bund deutscher Filmamateure (BDFA) überführt und politisch vereinnahmt. Der Dachverband der Amateure wurde in die Reichsfilmkammer eingegliedert, seine Arbeitsgruppen den Leitern der jeweiligen Gaufilmstellen bzw. Landesbildstellen zugeordnet. Als BDFA-Präsident fungierte zwischen 1935 und Kriegsende der Reichskultursenator Karl Melzer, der außerdem Geschäftsführer und zeitweilig Vizepräsident der Reichsfilmkammer war. 

Zeitzeugnisse - oft in Farbe

Unter den Hobbyaufnahmen von damals befinden sich zum Teil qualitativ hervorragende Farbfilme. Viele sehen aus als wären sie erst vor einigen Jahren aufgenommen worden. Dank der Farbverfahren von Agfa und Kodak standen den Amateuren ab 1936/37 bezahlbare Aufnahmematerialien zur Verfügung. Zum einen das brillante Kodachrome, das seine satten Farben bis heute bewahrt hat, und zum anderen das pastellartige Agfacolor, das häufig einen sanften Rosa- oder Blaustich erzeugte. Der Farbamateurfilm von damals zeigt dem heutigen Publikum nicht nur eine farbenfrohe Gegenwelt zum einheitlichen Schwarz-Weiß der offiziellen Filmproduktion. Solche Bilder von Hobbyfilmern arbeiten auch der heroischen Stilisierung entgegen, die der schwarz-weiße Propagandafilm der NS-Zeit ausgeprägt hat. 

Die farbigen Aufnahmen sind daher viel mehr als nur eine Attraktion: sie führen den Zuschauer näher an die abgebildete Zeit. Sie sind weniger abstrakt als schwarz-weiß Bilder und ermöglichen heutigen Zuschauern einen einfacheren Zugang zu der Zeit des Nationalsozialismus und des Zweiten Weltkriegs.

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